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„Stark wie ich!“ – Kinder lernen, sich zu schützen


Noch etwas zögerlich treten die ersten Kinder am Samstagmorgen durch die Tür des Kursraums im Sportpark. Einige bleiben zunächst in der Nähe ihrer Freunde, andere schauen sich neugierig um. Es dauert nicht lange, bis sich der Raum mit Leben füllt und die ersten Stimmen fragen: „Wann geht’s los? Was machen wir hier heute?“

Rund 15 Kinder zwischen sechs und zehn Jahren sind Teil des ersten von insgesamt vier aufeinanderfolgenden Präventions-Workshops an diesem Vormittag (21.03.2026). „Stark wie ich!“ – so heißt das Angebot der Württembergischen Sportjugend, das sich gezielt an Kinder und Jugendliche in Sportvereinen richtet und den Schutz vor sexualisierter Gewalt in den Mittelpunkt stellt.

Ziel des Workshops ist es, jungen Menschen altersgerecht Handlungskompetenzen zu vermitteln, das Selbstbewusstsein zu fördern und sie für verschiedene Formen von Gewalt zu sensibilisieren. Neben der Aufklärung stehen dabei vor allem konkrete Hilfestellungen und alltagstaugliche Strategien im Fokus – etwa im Umgang mit Nähe und Distanz, beim Erkennen kritischer Situationen oder für ein sicheres Verhalten im digitalen Raum.

Das Interesse an dem Angebot war groß: Die Nachfrage so hoch, dass aus zwei Workshops schließlich vier wurden. Neben vielen Kindern aus dem Verein nahmen auch Kinder teil, die über Schulen auf das Angebot aufmerksam geworden waren oder in diesem Jahr bereits für das Sommerferiencamp der SV Winnenden angemeldet sind. Um den unterschiedlichen Altersstufen gerecht zu werden, wurde das Konzept in zwei Module unterteilt: Eines für Kinder im Grundschulalter von sechs bis zehn Jahren und eines für Jugendliche ab elf Jahren.

Zu Beginn herrscht im Raum gespannte Aufmerksamkeit. Angeleitet von den WSJ-Referentinnen Antje Fischer und Sophia Michailidis sowie zwei Freiwilligendienstleistenden tauchen die Kinder Schritt für Schritt in die Themen ein: sich selbst wahrnehmen, Grenzen erkennen und den Mut entwickeln, diese auch zu äußern. Spielerisch, in Bewegung und mit Raum für eigene Erfahrungen. Ein Wimmelbild wird gemeinsam erkundet, verschiedene Situationen werden besprochen, Gedanken dazu ausgetauscht.

Bei einem Fangspiel sollen die Kinder laut um Hilfe rufen, sobald sie gefangen werden. Für manche zunächst ungewohnt, vielleicht sogar ein bisschen peinlich – doch genau darum geht es. Die eigene Stimme nutzen, sich bemerkbar machen, ernst genommen werden.

In einer weiteren Übung gehen zwei Kinder langsam aufeinander zu, bis eines „Stopp“ sagt. „Jeder hat ein anderes Gefühl für Nähe und Distanz. Ihr entscheidet, wen ihr nah an euch heranlassen möchtet“, erklärt Antje Fischer.

Es geht um das Erkennen von guten und schlechten Geheimnissen, um Situationen aus dem Vereinsalltag und um die Frage: An wen kann ich mich wenden, wenn mir etwas unangenehm ist?

Eine zentrale Ansprechpartnerin bei der SV Winnenden ist Jugendschutzbeauftragte Melanie Kunz. Sie steht den Kindern und Jugendlichen bei Fragen und Problemen zur Seite. Am Ende des Workshops haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre Wünsche und Gedanken anonym aufzuschreiben und in eine Box einzuwerfen – eine leise, aber wichtige Form, gehört zu werden.

Was von diesem Vormittag bleibt, bringt ein Kind am Ende auf den Punkt: „Dass man sagen kann, wenn man etwas nicht so toll findet.“ Ein einfacher Satz und doch genau das, worum es geht.

Auch Melanie Kunz zieht ein positives Fazit: „Es ist uns ein großes Anliegen, dass sich Kinder und Jugendliche bei uns im Verein sicher fühlen. Gemeinsam mit der WSJ möchten wir ihnen Unterstützung bieten, damit sie sich gestärkt und ernst genommen fühlen. Der Workshop soll helfen, ihnen Mut zu machen, ihre Grenzen zu äußern und sich im Ernstfall Hilfe zu holen. Wir freuen uns über das große Interesse und planen, das Präventionsangebot auch künftig regelmäßig anzubieten.“

Zum Abschluss erhält jedes Kind ein Armband mit einer Botschaft wie „Nein ist Nein!“ oder „Ich weiß, was ich kann“. Ein kleines Zeichen, das im Alltag daran erinnern soll, dass die eigenen Gefühle zählen und ernst genommen werden.

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